Aktuell
Performance
Paarungszeit
Cindy Cordt und Angelika Waniek
Termine:
Freitag, 23. September, 14:00-16:00 Uhr
Samstag, 24. September, 19:00 Uhr
Sonntag, 25. September, 15:00-17:00 Uhr
Über die Veranstaltung:
Die Paarungszeit ist eine 3-tägige Begegnung zwischen zwei Performance-Künstler*innen, die sich und die Arbeit der jeweils anderen kennenlernen, sich in öffentlichen Gesprächen über ihre Herangehensweise an das Medium Körper austauschen und in einer abschließenden Performance die Ergebnisse vor Publikum präsentieren.
„Die soziale Welt setzt sich aus sich ständig reproduzierenden und zugleich in Veränderung begriffenen Ensembles von Praktiken zusammen. (…) Praktiken sind sich in der Zeit wiederholende und sich im Raum verbreitende Aktivitäten (…), die von menschlichen Akteuren in ihrer Körperlichkeit ebenso getragen werden wie von anorganischen oder organischen Entitäten, das heißt von Artefakten.“ Dieses Zitat von Andreas Reckwitz und Hartmut Rosa aus ihrer Publikation Spätmoderne in der Krise bringt es auf den Punkt, welche Verantwortung wir mit unseren täglichen Handlungen und im Zusammenspiel mit anderen Menschen haben. Die Performance als Kunstform spiegelt dieses Zusammenspiel von Menschen im Raum und kann und sollte zum Nachdenken über unser Verhalten und die Rolle in der Gesellschaft anregen.
In Kunsthallen und ähnlichen Institutionen werden vielfältige Formen der Performance-Kunst gezeigt, ein Fokus auf den Entstehungsprozess wird jedoch selten gelegt. In der Paarungszeit werden ganz gezielt verschiedene Künstler*innen miteinander vernetzt. Die Begegnungen, die am vom 6.-8. Mai im Kunstraum 34 stattfinden werden, öffnen einen neuen Raum auch für Fragen von Interessierten Besucher*innen, für die das Medium Performance noch fremd ist. Hier soll Neues entstehen, Individualität in einem gemeinschaftlichen Akt gefördert werden und dem Publikum die Möglichkeit geboten werden, Prozesse, Methoden und formale Strategien nachzuvollziehen. Erwartungen, die an künstlerische Aktionen gestellt werden, können hinterfragt werden. Als Performerin, die sich für aktuelle Fragen interessiert, verfügt man natürlich über eine reiche Sammlung an Gesten mit denen ein Raum erschlossen und eine Betrachter*in eingeladen werden kann, Mitakteur*in zu werden so basieren die performativen Aktionen allesamt auf Formen von Dialogen, sei es per Sound, Sprache oder körperlicher Gesten. In der Paarungszeit sollen sich zwei performende Egos aneinander annähern, sich beschnuppern, Ideen austauschen und aus diesem Umkreisen ihrer jeweils anderen Herangehensweise an das Medium Körper werden vor Ort gemeinsame oder sich aufeinander beziehende performative Aktionen entwickelt, die vor Publikum präsentiert werden. Der Nachvollzug von Prinzipien, auf denen unsere Kommunikation beruht, sollte das gesellschaftliche Miteinander harmonischer und zielführender gestalten. Welche Strukturen haben wir schon verinnerlicht und wie können wir daraus ausbrechen und neu aufeinander zugehen, hier kann ein Nachvollzug der performativen Aktionen wegweisend sein. Die Erfahrungen, im selben Raum mit den Performer*innen und anderen Besucher*innen zu sein, kann prägend sein für alle weiteren Situationen, in denen man auf andere Personen zugeht. Die ästhetischen Erfahrungen halten mitunter lang an und wirken im alltäglichen Leben nach. Die in den drei Tagen der Begegnung speziell für die Situation vor Ort entwickelten Arbeiten haben eine Nähe zur Lebenswirklichkeit und aktuellen Situation, in der wir uns befinden. Nicht nur die Performer*innen zeigen ihre Sicht auf die Welt auf, auch die Betrachter*innen sind gefragt, eine Haltung zu entwickeln, dies geschieht in dem Prozess der Kunstbetrachtung und -teilhabe.
Konzeption: Cindy Cordt
Performerinnen: Cindy Cordt und Angelika Waniek
Über die Künstlerinnen:
Cindy Cordt ist Performancekünstlerin, als Akteurin ist sie sensibel für die Anspannung der Betrachter*innen. Sie provoziert nahezu den Wunsch in ihre Performances einzugreifen und so entsteht eine Verbindung mit der Zuschauer*in, welche dann Teil eines gerade entstehenden Kunstwerkes wird und so zeigt sich, dass wir alle Teil eines sozialen Organismus sind und Handeln eine Möglichkeit gesellschaftlicher Teilhabe darstellt. Ihr Medienrepertoire umfasst neben der Performance Fotografie, Video und Installation. Zur Zeit vertritt sie als Lehrbeauftragte Prof.in Mariella Mosler an der ABK Stuttgart, zuvor hat sie dort ebenfalls als Lehrbeauftragte gelehrt und war von 2014 bis 2021 als akademische Mitarbeiterin tätig. Sie studierte in Weimar, Leipzig und Toulouse. Sie hat die Reihe Paarungszeit initiiert und als ersten Gast Angelika Waniek nach Stuttgart eingeladen.
Angelika Waniek lebt und arbeitet als Performerin in Leipzig. Ihre künstlerische Arbeit ist geprägt von einem Interesse an politischen Perspektiven auf performative und visuelle Praktiken. Sie arbeitet an der Schnittstelle von Wissens- und Erfahrungstransfer und legt damit Potentiale von gemeinsamem Handeln frei. Schwerpunke sind kulturelle und historische Narrative, darin Körperbilder und ihre medialen Repräsentationen. Von Januar 2018 bis September 2021 arbeitete sie künstlerische Mitarbeiterin im Fachbereich Medienkunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig.In den Fachklassen: Expanded Cinema (Clemens von Wedemeyer) und Intermedia (Alba D`Urbano). Sie studierte Medienkunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig und Freie Kunst an der Muthesius Kunsthochschule Kiel.
Aktuell
Ausstellung
SYZYGY
Caroline Anderson
Eröffnung:
Freitag, 16. Oktober 2026, 19 Uhr
Über die Ausstellung:
SYZYGY
(Subst. eine Konstellation von Himmelskörpern; ein Moment, in dem getrennte Körper kurzzeitig auf einer gemeinsamen Linie liegen.)
Vor der Uhr war der Schatten.
Licht wanderte über Stein. Gezeiten stiegen und zogen sich zurück. Vögel verschwanden und kehrten wieder. Körper schliefen, bluteten, erwachten, hungerten. Die Welt maß die Zeit durch Veränderung.
Wir begannen, diese Bewegungen in anderen Formen festzuhalten: eine in eine Oberfläche geritzte Markierung, eine durch den Himmel gezogene Linie, eine Glocke, ein Zifferblatt, eine Zahl. Mit jeder Übersetzung wurde etwas präziser, während etwas anderes verloren ging.
Und doch bleiben die älteren Signale bestehen. Die Sonne zieht über uns hinweg. Der Mond zieht am Wasser. Eine mineralische Oberfläche erinnert an Haut. Ein Objekt erscheint zugleich ausgegraben und unvollendet, uralt und noch nicht hier.
Dann beginnen sich die Unterscheidungen aufzulösen. Stein wird zum Instrument, Instrument wird zu Körper, Körper wird zum Maß. Eine Oberfläche reflektiert Licht und wird von ihm verändert. Eine Form ähnelt einem Organismus, bis sie beginnt, einer Maschine zu gleichen – als wäre die Maschine nur eine andere Art, den Organismus zu benennen.
Relikt, Gerät, Präparat, Bild: Jedes Wort kommt ein wenig zu spät und beschreibt das Ding erst, nachdem es bereits etwas anderes geworden ist.
Die Kategorien vermehren sich weiter um das herum, was sie nie ganz zu fassen vermögen. Natürlich und künstlich. Vergangenheit und Zukunft. Lebendig und leblos. Signal und Rauschen. Die Begriffe beginnen, einander zu umkreisen, sich zu kreuzen, ihre Positionen zu tauschen und für einen kurzen Moment denselben Raum einzunehmen. Die Sprache greift nach außen und findet nur noch mehr Sprache: einen weiteren Namen, eine weitere Grenze, einen weiteren Versuch, festzuhalten, was bereits in Bewegung ist.
Für einen Moment berühren sich unterschiedliche Maße. Ein Körper, ein Schatten, eine Maschine, ein ferner Stern treten kurzzeitig miteinander in Beziehung. Die Konstellation erzeugt den Anschein von Ordnung – oder vielleicht ist Ordnung nur das, wonach die Konstellation aussieht, wenn man sich in ihrem Inneren befindet.
Und innerhalb dieser Konstellation hat bereits alles begonnen, auseinanderzudriften.
Über die Künstlerin:
Caroline Anderson ist eine interdisziplinär arbeitende Künstlerin, Autorin und Kuratorin, deren Praxis Skulptur, Installation, digitale Medien und Fiktion umfasst. In ihrer Forschung untersucht sie Technologie als eine sich wandelnde historische Kategorie, durch die Systeme des Wissens, der Wahrnehmung und der gesellschaftlichen Organisation sowohl strukturiert als auch destabilisiert werden. Ihr Interesse gilt Momenten, in denen etablierte Unterscheidungen ins Wanken geraten und neue Formen von Bedeutung entstehen. Dabei betrachtet sie die Gegenwart als einen Zustand, in dem sich Artefakt und Organismus, überlieferte Geschichten und spekulative Zukünfte zunehmend überlagern.
Anderson zeigte Einzelausstellungen unter anderem bei Oregon Contemporary, in der Farmer Family Gallery der Ohio State University, bei OTOT Studios und in der Neon Heater Gallery. Ihre Arbeiten waren zudem in zahlreichen Ausstellungen in den USA und international zu sehen. Sie nahm an Residenzprogrammen des Digital Stone Project in Gramolazzo, Italien, bei 33OC in Toffia, Italien, am Aldea Centre for Contemporary Art, Design, and Technology in Bergen, Norwegen, sowie an der Kunsthalle am Hamburger Platz in Berlin teil.
Sie erwarb ihren BFA in Fine Arts mit einem Zertifikat in Critical Visions an der University of Cincinnati und ihren MFA in Art and Technology an der University of Oregon. Sie ist Assistant Professor für Artificial Intelligence and Creative Practice an der University of Texas at Austin.
2024 gründete Anderson Solar Noon, eine Galerie für zeitgenössische Kunst und einen Projektraum in Cincinnati. Solar Noon unterstützt Künstler bei der Entwicklung materiell und konzeptuell experimenteller Projekte, die auf gegenwärtige Bedingungen und den spezifischen Kontext des Mittleren Westens reagieren.
English Information:
About the Exhibition:
SYZYGY
(n. an alignment of celestial bodies; a moment in which separate bodies briefly occupy a shared line.)
Before the clock, there was shadow.
Light moved across stone. Tides rose and withdrew. Birds disappeared and returned. Bodies slept, bled, woke, hungered. The world kept time by changing.
We began to catch these movements in other forms: a mark cut into a surface, a line drawn through the sky, a bell, a dial, a number. With each translation, something became more precise and something else slipped away.
Still, the older signals remain. The sun moves overhead. The moon pulls at the water. A mineral surface resembles skin. An object appears at once excavated and unfinished, ancient and not yet here.
Then the distinctions begin to loosen. Stone becomes instrument, instrument becomes body, body becomes measure. A surface reflects light and is changed by it. A form resembles an organism until it begins to resemble a machine, as though the machine were only another way of naming the organism.
Relic, device, specimen, image: each word arrives slightly too late, describing the thing only after it has already become something else.
The categories continue to multiply around what they cannot quite contain. Natural and artificial. Past and future. Living and inert. Signal and noise. The terms begin to orbit one another, crossing, exchanging positions, briefly occupying the same space. Language reaches outward and finds only more language: another name, another boundary, another attempt to hold still what is already moving.
For a moment, different measures touch. A body, a shadow, a machine, a distant star fall briefly into relation. The alignment produces the appearance of order, or perhaps order is only what the alignment looks like from inside it.
And inside the alignment, everything has already begun to drift.
About the Artist:
Caroline Anderson is an interdisciplinary artist, writer, and curator working across sculpture, installation, digital media, and fiction. Her research examines technology as a shifting historical category through which systems of knowledge, perception, and social organization are both structured and destabilized. She is drawn to moments when established distinctions become unstable and new forms of meaning emerge, approaching the present as a condition in which artifact and organism, inherited histories and speculative futures, begin to overlap.
Anderson has presented solo exhibitions at Oregon Contemporary, the Ohio State University Farmer Family Gallery, OTOT Studios, and the Neon Heater Gallery, among others. Her work has also been included in exhibitions nationally and internationally. She has participated in residencies at the Digital Stone Project in Gramolazzo, Italy; 33OC in Toffia, Italy; the Aldea Centre for Contemporary Art, Design, and Technology in Bergen, Norway; and Kunsthalle am Hamburger Platz in Berlin.
She received her BFA in Fine Arts with a certificate in Critical Visions from the University of Cincinnati and her MFA in Art and Technology from the University of Oregon. She is an Assistant Professor of Artificial Intelligence and Creative Practice at the University of Texas at Austin.
In 2024, Anderson founded Solar Noon, a contemporary art gallery and project space in Cincinnati that supports artists in developing materially and conceptually experimental projects responsive to contemporary conditions and the particular context of the Midwest.