Aktuell
Ausstellung
Morgen und gestern, aber niemals heute
Studierende der ABK Stuttgart
Künstler*innen:
Daniel von Alkier, Hyunjin Kang, Mimi Kohler, Jim Kunze, Yun Park, Lorenz Schöller, Reiteq Tejzt und Benedikt Waldmann
Eröffnung:
Donnerstag, 7. Dezember 2023, 17 Uhr
Öffnungszeiten:
Donnerstag, 7. Dezember 2023, 17-21 Uhr
Freitag, 8. Dezember 2023, 17-21 Uhr
Samstag, 9. Dezember 2023, 14-18 Uhr
Über die Ausstellung:
Zum Zeitpunkt der Ausstellung war schon vorweggenommen: Alles wird seines Körpers beraubt werden. Das Festmahl wird schon vorbei gewesen sein. Gegessen wurde dann schon, die Operationen der Körper – bereits verschluckt. Sie weichen den Bewegungen der Oberfläche, dem Schritt zurück, weg vom Bankett, hin zur Abbildung.
Und dann: Wir versammeln uns vor einem medial transportierten Lagerfeuer tief im Inneren des K34-Verdauungstraktes und erinnern uns:
Was hier aus dem Gestern ins Morgen der Aufarbeitung hinabstieg, es war zuckersüß wie die Marmelade, die uns früher von unserer Großmutter auf dem höchsten Regalbrett vorenthalten wurden und werden wird. Ach, nichts lässt sich leichter auf ein Podest stellen als die unerreichbare, mit einer Angel vor die Nase gehaltene Karotte.
„Ich mache mir nichts aus Marmelade.“ meint Alice in „Alice hinter den Spiegeln“ (Lewis Carroll, 1871) – und auch wenn es sehr gute Marmelade ist, möchte sie heute keine – worauf die weiße Schachkönigin ihre rekursive Spielart der Sprache klarstellt:
„Du könntest keine bekommen, selbst wenn du sie wolltest, die Regel lautet: Marmelade morgen und Marmelade gestern – aber niemals Marmelade heute.“
Gedankengeflochtene Spiegelkabinette wie Zierknoten, die mit viel Freude geschnürt und auseinandergezogen werden, ohne Zweckgebundenheit.
Wie eine Rose mit vielen Dornen, wunderschön nutzlos. Immer außer Reichweite. Und wir? Wir verbleiben im Limbo der Angst, etwas verpassen zu können.
Bevor ihr ins Gestern geht, geht durch das Morgen und fasst dann den Entschluss: Das Heute wird ab hier auf dem Weg vom Anfang bis zum Ziel nie mehr wortwörtlich auf der Strecke bleiben. „Werden das sich bis ins Unendliche in Vergangenheit und Zukunft teilt und dabei stets der Gegenwart ausweicht.“ (Deleuze, Gilles: „Logik des Sinns“. Berlin 1993, S. 20), das ist die sich in selbst-referentiellen Systemen verlierende Sphäre der Gedanken.
Die Ausstellenden Daniel von Alkier, Hyunjin Kang, Mimi Kohler, Jim Kunze, Yun Park, Lorenz Schöller, Reiteq Tejzt und Benedikt Waldmann erinnern sich unter der Leitung von Juli Gebhardt im morgen an gestern und stellen in ferne Aussicht: Die Marmelade von heute!
Text: Reiteq Tejzt
Kuration:
Juli Gebhardt
In Kooperation mit:
Gefördert durch:
Aktuell
Ausstellung
Synchronized Collapse
Wagehe Raufi und Martin Dörr
Eröffnung:
Freitag, 9. Januar 2026, 19:00 Uhr
Artist Talk:
Freitag, 16. Januar 2026, 18:00 Uhr
Über die Ausstellung:
Die Tasche des Janitors (dt. Hauswart*in), gefüllt mit Schlüsseln, Werkzeugen und Überresten bevorstehender und vergangener Reparaturen, wird zum Ausgangspunkt einer multimedialen Installation über Ordnung, Kontrolle und die Arbeit an Systemen, die nur scheinbar stabil sind. Martin Dörr und Wagehe Raufi untersuchen den Tascheninhalt als chaotisches Archiv. Metallstücke, Kabelreste, Gefundenes und Verlorenes erzeugen Klang und Reibung; die materielle Collage wird im Analogen und in der digitalen Simulation zum klirrenden Erzählenden. Durch Greifbewegungen lösen die Künstler*innen Kettenreaktionen aus, in denen Objekte kippen, Dinge entgleiten, aus der Tasche fallen und fragile Gleichgewichte kollabieren. „Synchronized Collapse“ macht die Dinge zu Akteur*innen einer choreografierten Störung und zeigt den Janitor als Hüter*in eines empfindlichen Systems.
Martin Dörr arbeitet als Künstler und System-/Game-Designer in Berlin und untersucht kollektive Verhaltensweisen sowie die Dynamik komplexer, mehr-als-menschlicher Systeme. Wagehe Raufi erforscht die Schnittstelle zwischen materieller Präsenz und digitaler Fragilität und lässt virtuelle Räume mit Archivspuren, Bildern, Texturen und physischen Setzungen verschmelzen. Gemeinsam entwickeln sie ein Labor der innewohnenden Instabilität und Störung, die Räume und Systeme funktionsfähig halten.
Über die Künstler*innen:
Martin Dörr (1990, Pirmasens) ist ein in Berlin lebender Künstler und System/Game Designer. Er hat ein Diplom in Bildender Kunst von der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach und einen M.A. in System/Game Design von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin. 2018/19 studierte er mit einem DDA-Stipendium an der Central Academy of Fine Arts in Peking. Seine künstlerische Arbeit wurde international ausgestellt; seine praktische und theoretische Forschung wurde u. a. durch das Deutschlandstipendium, den Marielies-Schleicher-Preis und die Stiftung Kunstfonds gefördert. Seit 2015 ist Dörr Mitglied von Blockadia*Tiefsee, einem interdisziplinären Kollektiv, das technologische und ökologische Transformationsprozesse durch künstlerische Forschung und partizipative Formate untersucht.
Wagehe Raufi (1990, Dissen am Teutoburger Wald) ist bildende Künstlerin und war zuletzt Stipendiatin der Hessischen Kulturstiftung in der Cité internationale des Arts in Paris. Sie wurde mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Bundespreis für Kunststudierende (2021), einem DAAD-Stipendium für ein Auslandssemester an der Central Academy of Fine Arts in Peking (2018) sowie dem SYN Award für interdisziplinäre Forschung (2017), der mit einer Residenz in den Meisterhäusern des Bauhauses in Dessau verbunden war. Ihre Arbeiten waren in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt, zuletzt u. a. in der Kunsthalle zu Kiel (2025), im Kunstverein Arnsberg (2024), im Historischen Museum Frankfurt (2024) und in der Bundeskunsthalle Bonn (2021).
Kuration:
Eva Dörr und Juli Gebhardt
In Kooperation mit:
Gefördert durch: