Aktuell
Ausstellung
Martyrs and Bananas
Léa Ducos und Lisa Mühleisen
Eröffnungswochenende:
Freitag, 19. Juni – Sonntag, 21. Juni 2020
mit gesonderten Öffnungszeiten von 14:00 – 19:00 Uhr
Öffnungszeiten:
Donnerstag und Freitag 17:00-20:00 Uhr
Samstag 11:00-17:00 Uhr
Sonntag 14:00-17:00 Uhr
Über die Ausstellung:
Aktion, Passion und Bananen.
Léa Ducos und Lisa Mühleisen zerlegen in Martyrs And Bananas beschädigte Holzplatten, perfekt lackierte Oberflächen und Konzepte der Personifizierung in ihre Einzelteile und konstruieren daraus neue Arrangements.
„Martyr“ bezeichnet im Französischen die Schutzauflage, die bei Holzbohrungen benutzt wird, um Beschädigungen der zu durchbohrenden Oberfläche zu vermeiden und ist in diesem Sinn doch verwandt mit dem Märtyrer, dessen Tod als Opfer dient. Was aber geschieht mit dem Märtyrer, wenn der übergeordnete Zweck fehlt, wenn das Opfer keinen Wert mehr hat, weil zum Schießen nur eine überreife Banane dient und das sakral aufgeladene Ritual zur Slapstick-Nummer wird? Martyrs and Bananas kann insofern als eine Reflektion über Wertigkeit – Neuwertigkeit, Wertlosigkeit, Auf- und Umwertung – betrachtet werden, als dass man es sowohl in den Arbeiten von Léa Ducos als auch bei den Ausstellungsstücken von Lisa Mühleisen mit einem Selbstständig-Werden oder auch Verselbstständigen der Parameter von Wertigkeit zu tun hat. Léa Ducos Arbeiten wirken wie ein Plädoyer, für das, was bleibt, wenn es nicht mehr gebraucht wird. Collagen aus Holzresten, Fundstücken und zweckentfremdeten Materialien, wie den besagten Bohrauflagen und Schmirgelpapier, bejahen die Frage, ob etwas, das seinen Wert nur über einen Fremdzweck bezogen hat, autonom und reiner Selbstzweck werden kann. So wirken manche Bohrungen wie Einschusslöcher, als wäre das Opferritual einem Spiel mit der Wiederholungstauglichkeit der Spuren im Material gewichen. Lisa Mühleisens Arbeiten zielen weniger auf sich selbst als auf die Frage danach, woraus überhaupt Wert abzuleiten ist. Man findet sich konfrontiert mit einer Serie monochromer Farbflächen, deren Autonomie auf den ersten Blick entschieden durch ein paar olle Bananen oder styropornen Kantenschutz gestört wird. Der Umgang mit dem Alltäglichen, dem Vorgefundenen ist hier nicht sakral oder vollführt eine performative Aufwertung, wie man es beispielsweise von Marcel Duchamp, dem Klassiker der Umwertungs-Disziplin, kennt. Es handelt sich hier vielmehr um eine humorvolle Unterbrechung gewohnter Selektionsmechanismen, die uns entscheiden lassen, welche Materialität Kunst mit welcher Funktion vermittelt. Man hat es hier mit einer aufdringlichen Einmischung der Reste zu tun, die eine Pointe für etwas postulieren, das vorher nie als Witz denkbar gewesen wäre. Vielleicht sogar mit einer Art comic relief angesichts der irren Aufwertungsmechanismen eines zeitgenössischen Kunstmarkts? Vielleicht aber auch einfach mit einem Memorandum für all die weggeworfenen matschigen Bananen – dem Paradebeispiel für den Widerstand, den etwas erzeugt, wenn es sich auf dem Weg der Selbstentwertung befindet.
Text: Judith Engel (2020)
Über die Künstler*innen:
Léa Ducos ist aktuell Stipendiatin des Austauschprogramms für bildende Künstler zwischen der Region Auvergne-Rhône-Alpes und dem Land Baden-Württemberg durchgeführt vom Institut français in Stuttgart. Lisa Mühleisen war 2016 im Rahmen des gleichen Austauschprogramms Stipendiatin in Valence bei der Partnerinstitution art3.
Aktuell
Ausstellung
Wovon wir träumen
Marla Fischinger und Johannes Ocker
Termine:
Eröffnung:
Freitag, 26. Juni 2026, 19 Uhr
Finissage mit cozyclub:
Sonntag, 26. Juli 2026
Über die Ausstellung:
Der Begriff des Träumens lässt sich unterschiedlich ausrichten: vom nächtlichen Träumen im Schlaf über das Träumen im Sinne von Erinnern, Schwelgen, Reflektieren und Nachfühlen bis hin zu einem hoffnungsvollen, visionären Blick in die Zukunft. Immer setzt Träumen dem Ist-Zustand etwas entgegen und eröffnet Momente innerer Distanz, Verschiebung und Imagination. In Zeiten persönlicher wie globaler Krisen erscheinen solche Zustände als fragile, aber notwendige Räume, um sich zu stabilisieren, zu verorten und Zusammenhänge neu zu denken.
In der Ausstellung Wovon wir träumen nähern sich Marla Fischinger und Johannes Ocker in Foto- und Videoinstallationen sowie Cyanotypien unterschiedlichen Facetten des Träumens. Die Arbeiten bewegen sich dabei zwischen landschaftlichen, (nicht-)körperlichen und emotionalen Bildräumen und eröffnen Perspektiven auf verschiedene Zustände von Wahrnehmung, Erinnerung und Vorstellungskraft.
Über die Künstler*innen:
Marla Fischinger ist visuelle Künstlerin mit einer textbasierten Praxis.
Im Zentrum ihrer künstlerischen Arbeit stehen Fragen zu Zuständen emotionaler Fragilität und psychischer Instabilität sowie deren Wechselwirkungen mit Körper und zwischenmenschlichen Beziehungen. Ausgehend von persönlichen Erfahrungen und Erinnerungen entstehen Arbeiten, die sich zwischen autofiktionaler Reflexion, wissenschaftlichen Referenzen und Inszenierung bewegen und in denen sich innere Zustände bildlich, sprachlich und räumlich manifestieren.
Sie arbeitet mit Text in Verbindung mit Medien wie Fotografie, Video und Zeichnung; lyrische und prosaische Texte sind dabei integraler Bestandteil installativer Setzungen. Sie studierte bis 2024 an der ABK Stuttgart bei Prof. Birgit Brenner, Prof. Reto Boller, Anike Joyce Sadiq und Flaka Haliti
Johannes Ocker fotografiert. Sein Werk ist geprägt von einer subtilen Ironie, die seine tiefe Auseinandersetzung mit ethischen Fragen im Kontext von Mensch, Tier und Zivilisation durchdringt. Ein zentrales Moment ist dabei der phänomenologische Blick auf die Natur und das Erinnerungspotential vorgefundener Orte. Gegenwärtig studiert er als Meisterschüler im Weißenhofprogramm an der ABK Stuttgart.
Über cozyclub:
Begleitend zur Ausstellung und als Teil des Vermittlungsprogramms wird zur Finissage am 26.07.2026 ein cozyclub veranstaltet.
cozyclub ist eine von Marla Fischinger initiierte Veranstaltungsreihe mit Fokus auf elektronischer (Live-)Musik, die der zunehmend schnelllebigen und konsumorientierten Clubkultur bewusst etwas entgegensetzt. Der Begriff der Listening Session sowie der Coziness ist dabei zentral für die räumliche und akustische Gestaltung. Ein Wohlfühlort, in dem man sich frei bewegen darf, an dem es kuschelig wird und die Verbindung zwischen Publikum und Musik im Vordergrund steht. Ziel ist es dabei, die Hörerfahrung an erste Stelle zu setzen.
Für die zweite Ausgabe des cozyclub wird Marla Fischinger Positionen einladen, sich mit ihrer Videoarbeit Durst akustisch auseinanderzusetzen.