Léa Ducos und Lisa Mühleisen
MARTYRS AND BANANAS

Dokumentation:

Bild: Sven Weber
Bild: Sven Weber
Bild: Sven Weber
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Bild: Sven Weber
Bild: Sven Weber
Bild: Sven Weber
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Eröffnungswochenende:

Freitag, 19. – Sonntag, 21. Juni mit gesonderten Öffnungszeiten von 14 – 19 Uhr

Öffnungszeiten:

Donnerstag und Freitag 17-20 Uhr
Samstag 11-17 Uhr
Sonntag 14-17 Uhr

 

Aktion, Passion und Bananen.

 

Léa Ducos und Lisa Mühleisen zerlegen in Martyrs And Bananas beschädigte Holzplatten, perfekt lackierte Oberflächen und Konzepte der Personifizierung in ihre Einzelteile und konstruieren daraus neue Arrangements. 
 
Léa Ducos ist aktuell Stipendiatin des Austauschprogramms für bildende Künstler zwischen der Region Auvergne-Rhône-Alpes und dem Land Baden-Württemberg durchgeführt vom Institut français in Stuttgart. Lisa Mühleisen war 2016 im Rahmen des gleichen Austauschprogramms Stipendiatin in Valence bei der Partnerinstitution art3.

 

„Martyr“ bezeichnet im Französischen die Schutzauflage, die bei Holzbohrungen benutzt wird, um Beschädigungen der zu durchbohrenden Oberfläche zu vermeiden und ist in diesem Sinn doch verwandt mit dem Märtyrer, dessen Tod als Opfer dient. Was aber geschieht mit dem Märtyrer, wenn der übergeordnete Zweck fehlt, wenn das Opfer keinen Wert mehr hat, weil zum Schießen nur eine überreife Banane dient und das sakral aufgeladene Ritual zur Slapstick-Nummer wird? Martyrs and Bananas kann insofern als eine Reflektion über Wertigkeit – Neuwertigkeit, Wertlosigkeit, Auf- und Umwertung – betrachtet werden, als dass man es sowohl in den Arbeiten von Léa Ducos als auch bei den Ausstellungsstücken von Lisa Mühleisen mit einem Selbstständig-Werden oder auch Verselbstständigen der Parameter von Wertigkeit zu tun hat. Léa Ducos Arbeiten wirken wie ein Plädoyer, für das, was bleibt, wenn es nicht mehr gebraucht wird. Collagen aus Holzresten, Fundstücken und zweckentfremdeten Materialien, wie den besagten Bohrauflagen und Schmirgelpapier,  bejahen die Frage, ob etwas, das seinen Wert nur über einen Fremdzweck bezogen hat, autonom und reiner Selbstzweck werden kann. So wirken manche Bohrungen wie Einschusslöcher, als wäre das Opferritual einem Spiel mit der Wiederholungstauglichkeit der Spuren im Material gewichen. Lisa Mühleisens Arbeiten zielen weniger auf sich selbst als auf die Frage danach, woraus überhaupt Wert abzuleiten ist. Man findet sich konfrontiert mit einer Serie monochromer Farbflächen, deren Autonomie auf den ersten Blick entschieden durch ein paar olle Bananen oder styropornen Kantenschutz gestört wird. Der Umgang mit dem Alltäglichen, dem Vorgefundenen ist hier nicht sakral oder vollführt eine performative Aufwertung, wie man es beispielsweise von Marcel Duchamp, dem Klassiker der Umwertungs-Disziplin, kennt. Es handelt sich hier vielmehr um eine humorvolle Unterbrechung gewohnter Selektionsmechanismen, die uns entscheiden lassen, welche Materialität Kunst mit welcher Funktion vermittelt. Man hat es hier mit einer aufdringlichen Einmischung der Reste zu tun, die eine Pointe für etwas postulieren, das vorher nie als Witz denkbar gewesen wäre. Vielleicht sogar mit einer Art comic relief angesichts der irren Aufwertungsmechanismen eines zeitgenössischen Kunstmarkts? Vielleicht aber auch einfach mit einem Memorandum für all die weggeworfenen matschigen Bananen – dem Paradebeispiel für den Widerstand, den etwas erzeugt, wenn es sich auf dem Weg der Selbstentwertung befindet.
– Judith Engel 2020