Eröffnung:
Freitag, 8. November 2019, 20:00 Uhr
Einführung: Alf Setzer, Lehrer für Bildhauerei an der ABK Stuttgart
Über die Ausstellung:
Jáchym Fleigs Arbeit Obstruction (Hemmnis, Hindernis, Verstopfung) für den Kunstraum 34 in Stuttgart reiht sich ein in seine „Okkupationen“ von räumlichen Begebenheiten. Diese Okkupationen wirken, als hätte der architektonische Raum selbst jenes wuchernde, wesenhafte Geschehen ausgebrütet, welches sich den Betrachter*innen zeigt. Die unmittelbare bauliche Umgebung des Kunstraums 34, das gründerzeitliche Lehenviertel mit seinem großartigen plastischen Bauschmuck, stellt dabei für Fleig eine umfassende Formen-Ressource dar. Gerne bedient er sich aus diesem vorgefundenen Reservoir: Ein Reliefelement der Fassade des Hauses Ecke Strohberg/Liststraße dient durch einfaches Nachzeichnen und Kopieren als Vorlage für ein Reliefmodul, welches vervielfältigt und aneinandergereiht, die formale Grundsubstanz des Bodenreliefs Obstruction bildet.Jáchym Fleigs Arbeit Obstruction (Hemmnis, Hindernis, Verstopfung) für den Kunstraum 34 in Stuttgart reiht sich ein in seine „Okkupationen“ von räumlichen Begebenheiten. Diese Okkupationen wirken, als hätte der architektonische Raum selbst jenes wuchernde, wesenhafte Geschehen ausgebrütet, welches sich den Betrachter*innen zeigt. Die unmittelbare bauliche Umgebung des Kunstraums 34, das gründerzeitliche Lehenviertel mit seinem großartigen plastischen Bauschmuck, stellt dabei für Fleig eine umfassende Formen-Ressource dar. Gerne bedient er sich aus diesem vorgefundenen Reservoir: Ein Reliefelement der Fassade des Hauses Ecke Strohberg/Liststraße dient durch einfaches Nachzeichnen und Kopieren als Vorlage für ein Reliefmodul, welches vervielfältigt und aneinandergereiht, die formale Grundsubstanz des Bodenreliefs Obstruction bildet.
Einem ornamentierten Stuckrelief gleich, imitiert das Band aus gespritztem Stuckgips die architektonische und gliedernde Reliefform aus der unmittelbaren baulichen Umgebung. Mäandernd und sich mehrmalig durch Richtungswechsel überlappend, zieht sich das Bodenrelief über den gesamten Fußboden des zweiteiligen Ausstellungsraumes. Sich von der Decke, als dem klassischen Ort eines baulichen Stuckreliefs lösend, besetzt das Stuckband so einen Großteil des Fußbodens, strukturiert die Zugänglichkeit dadurch neu und blockiert, wie nebenbei, das Verkehrswegesystem des zweiteiligen Ausstellungsraumes, indem es den Durchgang zwischen den Räumen verstopft.
Fleig, der unter anderem Stipendiat der Wilhelm-Lehmbruck-Stiftung war und im Lehmbruck Museum ausstellen durfte, arbeitet gerne mit Gips. Mitunter entstanden dabei durchaus auch recht monumentale Skulpturen. Diesmal beließ er es bei Bögen, Geraden und weiteren Strukturelementen des kopierten Reliefelements, welche mit nur wenigen Zentimetern Höhe und Breite so gestaltet sind, als seien sie aus Kalkschalen von Jakobs- oder Herzmuscheln zusammengefügt.
Aktuell
Ausstellung
Synchronized Collapse
Wagehe Raufi und Martin Dörr
Eröffnung:
Freitag, 9. Januar 2026, 19:00 Uhr
Artist Talk:
Freitag, 16. Januar 2026, 18:00 Uhr
Über die Ausstellung:
Die Tasche des Janitors (dt. Hauswart*in), gefüllt mit Schlüsseln, Werkzeugen und Überresten bevorstehender und vergangener Reparaturen, wird zum Ausgangspunkt einer multimedialen Installation über Ordnung, Kontrolle und die Arbeit an Systemen, die nur scheinbar stabil sind. Martin Dörr und Wagehe Raufi untersuchen den Tascheninhalt als chaotisches Archiv. Metallstücke, Kabelreste, Gefundenes und Verlorenes erzeugen Klang und Reibung; die materielle Collage wird im Analogen und in der digitalen Simulation zum klirrenden Erzählenden. Durch Greifbewegungen lösen die Künstler*innen Kettenreaktionen aus, in denen Objekte kippen, Dinge entgleiten, aus der Tasche fallen und fragile Gleichgewichte kollabieren. „Synchronized Collapse“ macht die Dinge zu Akteur*innen einer choreografierten Störung und zeigt den Janitor als Hüter*in eines empfindlichen Systems.
Martin Dörr arbeitet als Künstler und System-/Game-Designer in Berlin und untersucht kollektive Verhaltensweisen sowie die Dynamik komplexer, mehr-als-menschlicher Systeme. Wagehe Raufi erforscht die Schnittstelle zwischen materieller Präsenz und digitaler Fragilität und lässt virtuelle Räume mit Archivspuren, Bildern, Texturen und physischen Setzungen verschmelzen. Gemeinsam entwickeln sie ein Labor der innewohnenden Instabilität und Störung, die Räume und Systeme funktionsfähig halten.
Über die Künstler*innen:
Martin Dörr (1990, Pirmasens) ist ein in Berlin lebender Künstler und System/Game Designer. Er hat ein Diplom in Bildender Kunst von der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach und einen M.A. in System/Game Design von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin. 2018/19 studierte er mit einem DDA-Stipendium an der Central Academy of Fine Arts in Peking. Seine künstlerische Arbeit wurde international ausgestellt; seine praktische und theoretische Forschung wurde u. a. durch das Deutschlandstipendium, den Marielies-Schleicher-Preis und die Stiftung Kunstfonds gefördert. Seit 2015 ist Dörr Mitglied von Blockadia*Tiefsee, einem interdisziplinären Kollektiv, das technologische und ökologische Transformationsprozesse durch künstlerische Forschung und partizipative Formate untersucht.
Wagehe Raufi (1990, Dissen am Teutoburger Wald) ist bildende Künstlerin und war zuletzt Stipendiatin der Hessischen Kulturstiftung in der Cité internationale des Arts in Paris. Sie wurde mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Bundespreis für Kunststudierende (2021), einem DAAD-Stipendium für ein Auslandssemester an der Central Academy of Fine Arts in Peking (2018) sowie dem SYN Award für interdisziplinäre Forschung (2017), der mit einer Residenz in den Meisterhäusern des Bauhauses in Dessau verbunden war. Ihre Arbeiten waren in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt, zuletzt u. a. in der Kunsthalle zu Kiel (2025), im Kunstverein Arnsberg (2024), im Historischen Museum Frankfurt (2024) und in der Bundeskunsthalle Bonn (2021).
Kuration:
Eva Dörr und Juli Gebhardt
In Kooperation mit:
Gefördert durch: