Aktuell
Ausstellung
Hammerspace I
Juli Gebhardt
Eröffnung:
Soft Opening
Donnerstag, 28. November 2024, 18:00-21:00 Uhr
mit Lagerfeuer und Glühwein im Garten
Über die Ausstellung:
In der Ausstellungsreihe Hammerspace präsentieren die derzeitigen Künstlerinnen-Mitglieder aus Vorstand und Beirat des Kunstraum 34 ihre Arbeiten. Der Titel bezieht sich auf die Idee eines fiktiven unerschöpflichen Raums, wie er in Cartoons häufig auftaucht, aus dem immer neue Objekte hervorgeholt werden können. Dieses geheimnisvolle „Nirgendwo“ dient als Metapher für die Auseinandersetzung mit Ideen, Raum, Bewegung und Begrenzung. Da die Vereinsräume im Untergeschoss aufgrund von Sanierungsarbeiten nicht zugänglich sind und die Ausstellungen stattdessen im Foyer und Garten stattfinden, wird das Fehlen der Ausstellungsräume bewusst gemacht – ein Raum, der existiert, aber nicht genutzt werden kann. Der temporäre Hammerspace wird so zur Projektion, zur Idee, zu einem unendlichen inneren Raum im beschränkten Außen.
Im ersten Teil der Ausstellungsreihe Hammerspace zeigte Juli Gebhardt einen Einblick in ihr zeichnerisches Werk. Die Basis der Präsentation bildeten großformatige Frottagen (Abriebe) der Wände der Ausstellungsräume im Gewölbekeller, die derzeit nicht zugänglich sind. In einem performativen Prozess hat die Künstlerin hierfür diese Wände mit Graphitpulver auf ihren Händen abgetastet und bearbeitet. Dabei geht es ihr um die Annäherung an den Raum und dessen imaginäre Übertragung nach oben. Auf diesen Frottagen sind weitere Zeichnungen aus dem Fundus der Künstlerin präsentiert, die wie eine Ideensammlung zu verstehen sind – ähnlich wie viele offene Fenster auf einem Computerdesktop. Die Zeichnungen beziehen sich auf Themen die wiederkehrend in Gebhardts Werken auftauchen: Digitalität, Routinen, Hände und Arbeit.
Über die Künstlerin:
Bevor Juli Gebhardt ihr Kunststudium an der ABK Stuttgart in der Klasse für Installation bei Prof. Birgit Brenner und !Mediengruppe Bitnik absolvierte, hat sie zunächst Betriebswirtschaftslehre in Karlsruhe studiert. Neben Stationen an der Burg Giebichenstein in Halle, der University of Derby (UK) und der Angewandten in Wien nahm sie 2018 an einem Residenzstipendium der Galerie EIGEN+ART Lab in Berlin teil. 2021 wurde Gebhardt außerdem mit dem Akademiepreis der ABK Stuttgart ausgezeichnet. Nach ihrem Abschluss als Meisterschülerin bei Prof. Heba Amin und Prof. Antonia Low war Gebhardt von November 2023 bis April 2024 Stipendiatin des Residenzprogramms Cité internationale des arts in Paris. Zusätzlich zu ihrer eigenen künstlerischen Praxis arbeitet sie seit 2021 als kuratorische Assistentin im Künstlerhaus Stuttgart und leitet seit 2022 den Kunstverein Kunstraum 34 in Stuttgart, der sich auf zeitbasierte Kunst und experimentelle Musik fokussiert.
Aktuell
Ausstellung
Synchronized Collapse
Wagehe Raufi und Martin Dörr
Eröffnung:
Freitag, 9. Januar 2026, 19:00 Uhr
Artist Talk:
Freitag, 16. Januar 2026, 18:00 Uhr
Über die Ausstellung:
Die Tasche des Janitors (dt. Hauswart*in), gefüllt mit Schlüsseln, Werkzeugen und Überresten bevorstehender und vergangener Reparaturen, wird zum Ausgangspunkt einer multimedialen Installation über Ordnung, Kontrolle und die Arbeit an Systemen, die nur scheinbar stabil sind. Martin Dörr und Wagehe Raufi untersuchen den Tascheninhalt als chaotisches Archiv. Metallstücke, Kabelreste, Gefundenes und Verlorenes erzeugen Klang und Reibung; die materielle Collage wird im Analogen und in der digitalen Simulation zum klirrenden Erzählenden. Durch Greifbewegungen lösen die Künstler*innen Kettenreaktionen aus, in denen Objekte kippen, Dinge entgleiten, aus der Tasche fallen und fragile Gleichgewichte kollabieren. „Synchronized Collapse“ macht die Dinge zu Akteur*innen einer choreografierten Störung und zeigt den Janitor als Hüter*in eines empfindlichen Systems.
Martin Dörr arbeitet als Künstler und System-/Game-Designer in Berlin und untersucht kollektive Verhaltensweisen sowie die Dynamik komplexer, mehr-als-menschlicher Systeme. Wagehe Raufi erforscht die Schnittstelle zwischen materieller Präsenz und digitaler Fragilität und lässt virtuelle Räume mit Archivspuren, Bildern, Texturen und physischen Setzungen verschmelzen. Gemeinsam entwickeln sie ein Labor der innewohnenden Instabilität und Störung, die Räume und Systeme funktionsfähig halten.
Über die Künstler*innen:
Martin Dörr (1990, Pirmasens) ist ein in Berlin lebender Künstler und System/Game Designer. Er hat ein Diplom in Bildender Kunst von der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach und einen M.A. in System/Game Design von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin. 2018/19 studierte er mit einem DDA-Stipendium an der Central Academy of Fine Arts in Peking. Seine künstlerische Arbeit wurde international ausgestellt; seine praktische und theoretische Forschung wurde u. a. durch das Deutschlandstipendium, den Marielies-Schleicher-Preis und die Stiftung Kunstfonds gefördert. Seit 2015 ist Dörr Mitglied von Blockadia*Tiefsee, einem interdisziplinären Kollektiv, das technologische und ökologische Transformationsprozesse durch künstlerische Forschung und partizipative Formate untersucht.
Wagehe Raufi (1990, Dissen am Teutoburger Wald) ist bildende Künstlerin und war zuletzt Stipendiatin der Hessischen Kulturstiftung in der Cité internationale des Arts in Paris. Sie wurde mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Bundespreis für Kunststudierende (2021), einem DAAD-Stipendium für ein Auslandssemester an der Central Academy of Fine Arts in Peking (2018) sowie dem SYN Award für interdisziplinäre Forschung (2017), der mit einer Residenz in den Meisterhäusern des Bauhauses in Dessau verbunden war. Ihre Arbeiten waren in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt, zuletzt u. a. in der Kunsthalle zu Kiel (2025), im Kunstverein Arnsberg (2024), im Historischen Museum Frankfurt (2024) und in der Bundeskunsthalle Bonn (2021).
Kuration:
Eva Dörr und Juli Gebhardt
In Kooperation mit:
Gefördert durch: