Aktuell
Festival
Biotope of Sound
Festival für urbanes Hören zum 10-jährigen Jubiläum des S-K-A-M e.V.
Über die Veranstaltung:
Zum zehnjährigen Bestehen des Stuttgarter Kollektivs für aktuelle Musik (S-K-A-M e.V.) findet am 12. und 13. Juli 2025 das Festival Biotope of Sound statt. Marienplatz und angrenzende Orte im Stuttgarter Süden verwandeln sich in ein vielschichtiges akustisches Ökosystem – mit Konzerten, Performances, Installationen und interaktiven Formaten. Das Festival versteht sich als offenes Labor für experimentelle Klangwelten im öffentlichen Raum. In 18 Projekten neuer und experimenteller Musik sowie einer begleitenden Ausstellung widmen sich Stuttgarter Künstler*innen und internationale Gäste aktuellen Fragen des Zusammenlebens von Mensch und Natur im städtischen Kontext. Zeitgenössische Musik durchdringt urbane Räume, gestaltet sie mit und eröffnet neue Perspektiven im Resonanzraum der Stadt.
In den multimedialen Echo Chambers werden soziale Filterblasen künstlerisch reflektiert, während emotional detachment urbane Geräuschkulissen in rohe, intensive Klanglandschaften verwandelt. Die Installation strange kinships rückt Tauben – oft übersehene Stadtbewohner – in den Fokus akustischer Beobachtung. In Words / No Wordseröffnet der Philosoph Christian Grüny einen improvisierten Klang-Text-Diskurs, während DeFoRM die Grenze zwischen Kunst und Protest auslotet. Mobile Formate wie Flora und Faunaoder Hemerobie durchstreifen als klingende Interventionen das Habitat. Das SKAMobil, eine musikalische Fahrradperformance, verbindet Orte und macht klangvoll auf das Festival aufmerksam. Kinder und Jugendliche gestalten das Memory of Sound aktiv mit. Das kollektive Videoprojekt Listening Portraits – SKAM Edition dokumentiert individuelle Hörwahrnehmungen. Das Low End Biotope schlägt Soundwurzeln in den Platz, während der Pony Says Goth Club zeigt: Neue Musik kann auch Clubkultur.
Der Festivalraum dehnt sich auf benachbarte Orte aus: Im Tanzmeer trifft die Performance Turbulences auf Cri de Cœur, ein Konzert zwischen Stille und Schrei. Im Café Galao werden bei Imagination Fragen von Identität verhandelt. Das Atelier Liststaffel öffnet sich für das WolkenZimmerKlavier, im Gasthaus Lehen wird Alltagssprache per Loopstation musikalisch erfahrbar und im Kunstraum 34 blickt die Ausstellung 10 Years of SKAM mit Bildern und Videos auf ein Jahrzehnt kreativer Stadtklänge zurück.
Programm:
Samstag, 12. Juli 2025
15:00-22:00 strange kinships, Marienplatz
15:00-22:00 Listening Portraits, Marienplatz (Zelt)
15:00-20:00 10 years of SKAM, Kunstraum 34
15:00-15:15 / 20:10-20:25 emotional detachment, Marienplatz (Bühne)
15:15-15:45 / 16:10-16:40 Hemerobie, Marienplatz (Nähe U-Bahnhaltestelle)
15:45-16:00 /17:30-17:45 / 20:35-20:50 Impro-Connector, Marienplatz (mobil)
16:00-16:20 / 16:40-17:00 Memory of Sound, Marienplatz (Bühne)
17:00-17:20 Words / No Words, Marienplatz (Bühne)
18:00-19:00 DeFoRM, Tanzmeer
19:00-20:00 Cri de Coeur, Tanzmeer
21:00-21:50 Pony Says Goth Club, Marienplatz (Bühne)
Sonntag, 13. Juli 2025
11:00-22:00 strange kinships, Marienplatz
11:00-22:00 Listening Portraits, Marienplatz (Zelt)
11:00-20:00 10 years of SKAM, Kunstraum 34
11:00-12:00 Loop! Loop! Loop!, Das Lehen
12:00-12:30 / 15:00-15:30 / 17:30-18:00 SKAMobil, rund um den Marienplatz
12:30-13:00 Hemerobie, Marienplatz (Nähe U-Bahnhaltestelle)
13:00-13:15 / 13:30-13:45 Flora und Fauna, rund um den Marienplatz
14:00-15:00 / 20:00-21:00 WolkenZimmerKlavier, Atelier Liststaffel
15:00-15:30 / 18:00-18:30 Echo Chambers, St Maria als
16:00-17:00 IMAGINATION, Café Galao
17:00-17:30 / 19:00-19:30 Turbulences, Tanzmeer
21:00-21:30 Low End Biotope, Marienplatz (Bühne)
*Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist kostenlos – außer bei „Loop! Loop! Loop!“ im Gasthaus Lehen.
In Kooperation mit:
Aktuell
Ausstellung
Synchronized Collapse
Wagehe Raufi und Martin Dörr
Eröffnung:
Freitag, 9. Januar 2026, 19:00 Uhr
Artist Talk:
Freitag, 16. Januar 2026, 18:00 Uhr
Über die Ausstellung:
Die Tasche des Janitors (dt. Hauswart*in), gefüllt mit Schlüsseln, Werkzeugen und Überresten bevorstehender und vergangener Reparaturen, wird zum Ausgangspunkt einer multimedialen Installation über Ordnung, Kontrolle und die Arbeit an Systemen, die nur scheinbar stabil sind. Martin Dörr und Wagehe Raufi untersuchen den Tascheninhalt als chaotisches Archiv. Metallstücke, Kabelreste, Gefundenes und Verlorenes erzeugen Klang und Reibung; die materielle Collage wird im Analogen und in der digitalen Simulation zum klirrenden Erzählenden. Durch Greifbewegungen lösen die Künstler*innen Kettenreaktionen aus, in denen Objekte kippen, Dinge entgleiten, aus der Tasche fallen und fragile Gleichgewichte kollabieren. „Synchronized Collapse“ macht die Dinge zu Akteur*innen einer choreografierten Störung und zeigt den Janitor als Hüter*in eines empfindlichen Systems.
Martin Dörr arbeitet als Künstler und System-/Game-Designer in Berlin und untersucht kollektive Verhaltensweisen sowie die Dynamik komplexer, mehr-als-menschlicher Systeme. Wagehe Raufi erforscht die Schnittstelle zwischen materieller Präsenz und digitaler Fragilität und lässt virtuelle Räume mit Archivspuren, Bildern, Texturen und physischen Setzungen verschmelzen. Gemeinsam entwickeln sie ein Labor der innewohnenden Instabilität und Störung, die Räume und Systeme funktionsfähig halten.
Über die Künstler*innen:
Martin Dörr (1990, Pirmasens) ist ein in Berlin lebender Künstler und System/Game Designer. Er hat ein Diplom in Bildender Kunst von der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach und einen M.A. in System/Game Design von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin. 2018/19 studierte er mit einem DDA-Stipendium an der Central Academy of Fine Arts in Peking. Seine künstlerische Arbeit wurde international ausgestellt; seine praktische und theoretische Forschung wurde u. a. durch das Deutschlandstipendium, den Marielies-Schleicher-Preis und die Stiftung Kunstfonds gefördert. Seit 2015 ist Dörr Mitglied von Blockadia*Tiefsee, einem interdisziplinären Kollektiv, das technologische und ökologische Transformationsprozesse durch künstlerische Forschung und partizipative Formate untersucht.
Wagehe Raufi (1990, Dissen am Teutoburger Wald) ist bildende Künstlerin und war zuletzt Stipendiatin der Hessischen Kulturstiftung in der Cité internationale des Arts in Paris. Sie wurde mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Bundespreis für Kunststudierende (2021), einem DAAD-Stipendium für ein Auslandssemester an der Central Academy of Fine Arts in Peking (2018) sowie dem SYN Award für interdisziplinäre Forschung (2017), der mit einer Residenz in den Meisterhäusern des Bauhauses in Dessau verbunden war. Ihre Arbeiten waren in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt, zuletzt u. a. in der Kunsthalle zu Kiel (2025), im Kunstverein Arnsberg (2024), im Historischen Museum Frankfurt (2024) und in der Bundeskunsthalle Bonn (2021).
Kuration:
Eva Dörr und Juli Gebhardt
In Kooperation mit:
Gefördert durch: